Ruethli-Bun in Singapur

By thurnherr

Noch so gerne würde ich an dieser Stelle meckern und mich beklagen, dass ich am 1. August arbeiten muss. Ich habe mir jedoch vorgenommen zu beschreiben, wie man die Schweiz in Singapur wahrnimmt.

Normalerweise hört man nicht viel von der Schweiz hier im Osten. Ausser Toblerone, Lindt und Swiss Role (eine Art Roulade) ehrlich gesagt gar nichts. Doch bin ich gestern zum Cold Storage gegangen, um ein paar Dinge einzukaufen. Dort trifft man meistens viele „Ang Mor’s“, quasi das Schlitzauge Leute des Westens. „Ang Mor“ wird eher als unschönes Wort angesehen, viele Einheimische kümmert das aber wenig und sie verwenden auch in der Gegenwart eines solchen ungehemmt dieses Wort, scheinbar aus Gewohnheit. Wie auch immer, ich bin also zum Cold Storage, dem Coop des Ostens, gegangen, wo es auch eine Bäckerei gibt die „Swiss Bake“ heisst. Normalerweise beachte ich die Bäckerei nicht, doch dieses Mal war es anders. Rundum waren Schweizer Fähnchen aufgehängt, diese Schnur mit einem Fähnchen nach dem andern. Ich ging also hin, um zu schauen was da los war und habe einen Zettel gesehen, der an der Seite von einem Gestell aufgehängt war. Auf demselben war beschrieben, das die Schweiz am 1. August ihren Nationalfeiertag feiert, die Unabhängigkeit von Österreich, etc. Von Willhelm Tell stand zwar nichts, jedoch scheinen die Schweizer an jenem Tag gemeinsam ums Feuer zu sitzen und sich Geschichten aus dem Gründungsjahr (1291) zu erzählen. Ich weiss ja nicht wie es bei dir ist, aber ich sitze weder ums Feuer, noch erzähle ich jemandem Geschichten. Erst-August-Feuer gibt es viele in den Bergen, doch sind die wohl nicht ideal für gemütliche drum-herum-sitzen und schon gar nicht im Sommer. Nun sollen sie glauben was sie wollen, es ist sowieso fraglich, ob dieser Zettel überhaupt von jemandem gelesen wird. Er wurde von der Dekoration völlig überschattet.
Am 9. August ist dann auch bereits der Nationalfeiertag von Singapur, der 42te. Die Fahne darf man nur in der Zeit aufhängen, dafür gibts Bestimmungen. Auch findet eine Parade statt, welche am letzten Wochenende samt 20 minütigem Feuerwerk (im Wert von mehreren Millionen Dollar) geübt wurde. Die Frage ob es sinnvoll war möchte ich gar nicht stellen, wichtiger ist wohl, dass alles planmässig ablaufen wird. Da bin ich beruhigt, dass es bei uns (wenn überhaupt) „nur“ eine Rüthli-Rede gibt, die, Bemerkung am Rande, scheinbar zu reden gibt. Ich habe gelesen, dass viele internationale Zeitungen einen Artikel zum Konflikt abgedruckt hätten, unter anderem die New York Times, Frankfurter Allgemeine, etc.
Ich habe mir ernsthaft überlegt, einen „Ruethli Bun“ (1. August-Weggen) zu kaufen. Obwohl ich von der Originalität beeindruckt war (wasch-echt mit einem kleinen Schweizer-Fähnchen) hab ich es dann doch gelassen. Wenn jemand ein Patriot ist, dann sicher nicht ich.
Bis bald und einen schönen 1. August!

2 Antworten zu „Ruethli-Bun in Singapur“

  1. papa sagt:

    einmal mehr – typisch Thomas !
    Du hattest nicht mal Lust auf den Weggen ohne Fähnli ?
    lieber „Reis und Huhn“ als mit einem CH-Weggli nur so tun ……

    liebi Grüess

  2. stefan sagt:

    Von wegen teurem Feuerwerk: Hier in Zürich ging am Wochenende des Züri-Fäschts (6. – 8.Juli) am Freitag Abend sowie am Samstag Abend jeweils ein knapp 30minütiges Feuerwerk über dem Seebecken in die Luft. Am ersten Abend taktgerecht zu klassischer Musik, am zweiten Abend dann zu Popmusik. Aus Umweltschutzüberlegungen und aus Kostengründen (CHF 250′000, http://www.zuerifaescht.ch/2007/index.php?navi=artikel&content=medienView&id=70 ) fragwürdig, aber schön wars – auch von Thalwil aus, leider ohne Musik :-)

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