Die Situation hier in Singapur hat sich etwas gewandelt, ich musste umdenken, in den letzten Tagen. Bis jetzt habe ich die Arbeit eher locker genommen, bin am Morgen hin und am Abend nach Hause. Zwischendurch habe ich meinen Monatsrapport zu Hause geschrieben, doch ansonsten dachte ich eher selten an die Arbeit….
Diese Zeiten scheinen nun vorbei zu sein, zumindestens rede ich das mir so ein oder ich habe es schon akzeptiert. Dies hängt wohl zu einem grossen Teil mit meinen beiden Supervisors zusammen, sie machen auf einmal Druck. Bis jetzt war immer alles ziemlich locker, ich arbeitete von einer Woche auf die andere, präsentierte meine Arbeit und wir diskutierten weitere Schritte. Doch seit ein paar Tagen erwarten sie mehr von mir, zumindest empfinde ich es so. Mag sein, dass sie mir Aufträge geben welche mehrere Wochen dauern und da ich mich gewohnt bin, immer alles auf die nächste Woche zu erledigen, ich mich gestresst fühle. Das alleine kann es aber nicht sein, denn nun fühle ich mich schon fast gezwungen, am Abend und an den Wochenenden zu arbeiten. Es geht wohl langsam gegen das Ende zu, noch genau 2 Monate, dann sollte ich einen über 60-seitigen Rapport abgeben, von dem bis jetzt noch nicht viel vorhanden ist. Aber das wird schon, daran habe ich keine Zweifel, ist ja schliesslich nicht das erste Mal, das man dies von mir verlangt. Zudem scheint es mir gar nicht so schlecht, denn meine Arbeit gefällt mir eigentlich soweit ganz gut. Nur schade, dass das ganze Projekt wahrscheinlich abgebrochen wird (nach fast 2 Jahren) sobald ich abreise. Meine Arbeit war quasi für nichts, zumindest was das Endprodukt betrifft, persönlich habe ich sehr vieles gelernt.
Heute Abend waren wir essen, Chien, Steven, Karim, Jean-Romain, Samuel und ich. Samuel arbeitet bei UBS, eigentlich in China, aber nun ist er für ein paar Wochen in Singapur. Ich habe ihn letztes Jahr bei einem UBS-Karriereanlass kennengelernt und zufällig auf seinem Blog gesehen, dass er in Singapur ist. Deshalb habe ich mir gedacht, wir könnten einmal zusammen Essen gehen. Da Chien auch bei der UBS arbeitet, hat er ihn gleich selber kontaktiert und wir sind alle zusammen Essen gegangen. Leider hatten wir nicht die Möchlichkeit zu reden, da wir zu sechst waren und ich nicht neben ihm sass. Macht aber nichts es war trotzdem gemütlich mit Kollegen essen zu gehen und für eine Stunde etwas abzuschalten, das tat gut.
Seit gestern sind wir zu dritt in der Wohnung, Jean-Romain ist bei uns eingezogen, sein Zimmer: die Stube, sein Bett: das Sofa. Er wird voraussichtlich bis Mitte September hier bleiben, da er aus seinem ehemaligen Zimmer ausziehen musste, weil er nicht Student, sondern Praktikant ist, am Montag das neue Semester losgeht und sie deshalb die Zimmer den Studenten zur Verfügung stellen. Ich bin beeindruckt, wie wenig er braucht, ein Sofa, das wars. Er wird nun also für fast zwei Monate aus seinem Koffer leben, daneben 100% arbeiten und am Abend, wie ich, an seinem Rapport schreiben, das muss so sein, sage ich zu mir und danke mit Freude an mein wahrscheinlich letztes „Ferien-Wochenende“.