Das Paradies, ein Abenteuer?

By thurnherr

Das letzte Wochenende haben Steven und ich im Paradies verbracht, wir beide konnten es kaum fassen und haben uns ständig gefragt, womit wir das verdient hätten. Ich kanns heute noch nicht verstehen…

Gleich nach der Arbeit sind wir am Freitag Abend mit dem Zug ins Zentrum gefahren, wir wollten noch Thai Baht wechseln und etwas essen. Wie so oft, vergeht eine Stunde wie im Flug und es wurde (ebenfalls wie so oft) ziemlich knapp für den Flug. Da es bei Billigairlines kein zu spät kommen gibt für den Check-in, mussten wir rennen und um auf Nummer sicher zu gehen für die letzten paar Kilometer ein Taxi nehmen. Wir mussten sowieso auf einen anderen Zug umsteigen, blablabla.
Das Abenteuer begann genau zum Zeitpunkt, als wir ins Taxi einstiegen. Der „uncle“ (alter Mann) hat uns mit irgendwelchen Weisheiten vollgequatscht und wollte nicht aufhören. Uns war es nur peinlich, da wir nicht recht wussten was wir sagen sollten. Eigentlich wollten wir nur, dass er eine Portion Blei in seinen rechten Schuh steckte (in Singapur herrscht Linksverkehr), denn wir hatten es eilig, sehr sogar. Es durfte einfach nicht war sein, dass wir den Flug verpassen würden. Und siehe da, wen treffe ich vor dem Eingang des Flughafens: einen Schweizer, der bereits mit Patrice und mir von Saigon zurückgeflogen ist. Auch er war unterwegs nach Phuket, Thailand, hatte aber sein Gepäck bereits aufgegeben. Deshalb hatte ich auch keine Zeit mich mit ihm zu unterhalten und wir sind gleich ins Terminal hineingestürzt. Zu spät? Zum Glück noch nicht, huh, gerade noch geschafft. Wir sind dann auch gleich weiter, mit unserem Kassenzettelflugticket, durch die Passkontrolle, um auf den Abflug zu warten.
Spät am Abend landeten wir in Phuket International Airport, haben unser Gepäck gefasst (wenn man bei den paar Dingen von Gepäck reden kann) und sind gleich mit einem Airport Shuttel Bus nach Patong gefahren. Die Fahrt war teilweise halsbrecherisch, aber für details bleibt an dieser Stelle wenig Platz. Patong ist ein Ort in der thailändischen Touristen-Provinz Phuket. Der Hauptort mit dem gleichen Namen befindet sich ca. 20 Autominuten entfernt von Patong. Da wir nicht recht wussten, wo genau in Patong sich unser Guesthouse befand und der Fahrer es auch nicht kannte, haben wir ihm das nächste grössere Hotel, welches wir auf dem schlechten Plan der Webseite des Guesthouses gefunden hatten, angegeben. Es war sehr weit weg von der Unterkunft. In der Zwischenzeit war es auch spät geworden, gegen 23 Uhr und wir haben uns auf den Weg gemacht, zumindest in etwa die Himmel war korrekt, soviel verriet uns der Plan. Wir sind also bei einem Gebäude im Stil von einem amerikanischen Motel gelandet, doch da es nur in Thailändischer Schrift angeschrieben war und wir beide nicht gerade fliessend Thai sprechen, bzw. lesen (oder verstehst du das etwa: ณฟทืนะฟเีำหะ้นีหำ), sind wir so auch nicht weiter gekommen. Wir haben ohne Erfolg versucht, die Unterkunft anzurufen. Irgendwann kam uns dann ein Einheimischer zu Hilf und tippte die Nummer mit Vorwahl und Spezialtaste richtig ein, so dass er dann fragen konnte, wo sich die Unterkunft genau befindet. Nach einigem hin und her, hat er uns dann angeboten, uns gratis mit seinem Motorrad zum Guesthouse (dessen Namen ich hier nicht erwähnen will, da es noch besser kam) zu fahren. In Phuket haben viele Einheimische gelernt, ihren Profit aus den Touristen zu schlagen, was ziemlich mühsam sein kann – Taxi, taxi!?!, where do you go!?!, need a taxi!?!, motobike, motobike!?!, wanna taxi!?!, where you go!?!,… Ignoranz heisst die Lösung, allem Anstand zum Trotz.
Er hat uns also zum Guesthouse gefahren, es waren vielleicht 500 Meter, trotzdem wars ganz witzig, zu dritt auf seinem Motorrad. Die Belastbarkeit der Zweiräder kennt in Süd-Ostasien keine Grenzen.
Wir sind also die drei Treppen hochgestiefelt, hinein ins Guesthouse, frohen Mutes, da wir schon anständig müde waren und uns ein sauberes Zimmer, mit gemütlichem Bett erwarten sollte. An der Rezeption war leider niemand anzutreffen und auch sonst weit und breit kein Mensch. Da wir uns aber nicht so schnell geschlagen geben wollten haben wir uns auf die Bank gesetzt und gewartet. Mitternacht, 00.05, 00.15, 00.20 Uhr, endlich kam jemand aus einem Zimmer. Wir fragten gleich, ob sie uns helfen könnte doch sie meinte nur, sie spreche nicht englisch. Irgendwann hat sie dann doch noch ihre Kollegin geholt vom Zimmer und die hat mit dem Handy die Nummer der Unterkunft angerufen. Zuerst hiess es, es komme jemand, in ca. 20 Minuten. Ok, es war ja erst 00.30 und wir waren überhaupt nicht müde. Später, gegen 00.45 Uhr haben die beiden dann nochmals telefoniert, die Situation schien sich stark verändert zu haben, nun schien die Unterkunft ausgebucht, unser Zimmer das wir ca. einen Monat zuvor reserviert hatten, wurde vergeben, da irgendwann nicht mehr damit rechneten, dass wir kommen würden. Die Telefonistin ist dann mit uns zur Unterkunft nebenan, doch auch da war niemand zu Hause. Kurz nach 01.00 Uhr hat sie uns dann mitgeteilt, wir müssten selber was suchen, sie könnten uns auch nicht helfen. Glück im Unglück, ein anderes Guesthause, 10 Meter weiter hat uns dann ein Zimmer angeboten, zudem organisierten sie uns ein Taxi, um am Morgen nach Phuket Town zu gelangen. Gekostet hat das Zimmer für die Nacht 500 Baht, also ca. Fr. 20.-, Luxus gab es keinen, gereicht hat es aber längstens für die Nacht, zumal wir uns am Morgen früh gleich wieder aus dem Staub machten, unser Ziel war ja nichts geringeres als das Paradies. Gerne hätte ich Patong Beach gesehen, einer der Strände, die vor 2.5 Jahren stark vom Tsunami betroffen waren. In Patong selber gab es einige Häuser, von denen erst der Rohbau stand, ansonsten erinnerte nur noch wenig an das Ausmass der Naturkatastrophe.
Das Taxi hat uns gleich zum Pier gebracht, von wo aus wir die Fähren (2h) nach Ko (Insel) Phi Phi nahmen.

Koh Phi Phi ist durch den Film „The Beach“ mit Leonardo diCaprio weltberühmt geworden, vor allem Maya Bay. Es gibt zwei Inseln, Phi Phi Don, mit unzähligen Hotels und Phi Phi Lei, unbewohnt wird sie vor allem zur Ernte von Vogelnestern aus den Höhlen, welche für medizinische Zwecke verwendet werden und einträglicher ist als Tourismus, genutzt. Die Fähre hat eine Runde um Phi Phi Lei gemacht, bevor wir auf ein anderes Boot umgestiegen sind, da wir uns entschieden hatten, schnorcheln zu gehen. Die Sicht war leider sehr schlecht und auch sonst schien entweder der Mensch oder der Tsunami einiges kaputt gemacht zu haben. Danach hat uns das Boot zum Hauptanlegeplatz gebracht, wo wir uns ein Restaurant gesucht haben, um etwas zu essen. Danach sind wir mit dem Longtail Boat zu unserem Hotel gefahren, um dort endlich unser Gepäck zu deponieren und die Insel zu erkunden.

Gleich am Anfang wurden wir mit einem Welcome-Drink überrascht und auch danach haben wir es keine Minute bereut, ein etwas teureres Hotel (es gibt eigentlich gar keine billigen auf Phi Phi) gewählt zu haben. Wir haben einen Weg gesucht, der uns in den Wald fährte, doch blieben wir lange ohne Erfolg. Zwei Hotelangestellte sagten uns, es gebe einen Weg am Strand, deshalb sind wir zum Strand, doch auch dort war alles abgesperrt, da nebenan ein neues Hotel entstand.

Wir haben dann einen Einheimischen gefragt, der dort stand und er hat uns gesagt, wir könnten gleich mit ihm mitkommen, er liefe nach Hause. Wir waren etwas überrascht, folgten wir ihm und tatsächlich, es gab einen Weg durch den Wald, mal war er aus Sand, mal geteert, aber in schlechtem Zustand. Scheinbar wurde der Weg gerade neu gemacht, da ein Teil bereits fertig war. Wir haben also mit ihm zu sprechen versucht, doch es war sehr schwierig, da er nur schlecht englisch sprach. Allgemein hatten wir Mühe uns in Thailand zu verständigen, die Einwohner sprechen fast kein englisch. Er hat uns erzählt, was er macht, wo er wohnt und dass er jeden Tag fast 2 Stunden zur Arbeit und zurück zum Hause seines Onkels läuft. Als ich ihn nach seiner Familie fragte, hat er uns erzählt, dass sein Vater, seine Mutter und seine Schwester den Tsunami leider nicht überlebt hätten. Er (und sein Bruder) hatten mehr Glück, er war auf der anderen Seite der Insel, sein Bruder auf dem Festland. Dies hat er uns mit einer Leichtigkeit berichtet, die mich etwas überrascht hat, was jedoch an der Sprache liegen mag, ich weiss es nicht und wollte auch nicht nachfragen. Er war unglaublich freundlich und hilfsbereit, hat uns angeboten, uns mit zu sich nach Hause zu nehmen, zuoberst auf einen Aussichtspunkt, wo er jeden Tag den Sonnenuntergang beobachtet. Wir sind einen schmalen Pfad den Berg hochgelaufen, bis wir endlich das Haus, komplett aus Holz, erreichten von wo aus man eine wunderschöne Aussicht über einen Grossteil der Insel hatte.

Leider war der Horizont bewölkt und wir konnten den Sonnenuntergang nicht bis zu Ende Verfolgen. Deshalb sind wir auch etwas früher zurück, bevor es dunkel wurde, schliesslich hatten wir noch 2 Stunden wandern und es gab im Dschungel nicht gerade Strassenlaternen an jeder Ecke. Er hat uns dann noch ein Stück begleitet, damit wir uns nicht verliefen, obwohl er noch zum Arzt musste, da er ein Problem mit seinem Auge hatte. Auch hat er uns empfohlen, die Abkürzung übers Meer zu nehmen, und nicht mehr dem Weg entlang zu laufen. Zwischen 18h und ca. 21h herrscht Ebbe und man kann direkt am Ufer entlang laufen.

Da es aber bereits ziemlich dunkel war und das Ufer sehr steinig, quasi eine Herausforderung für unsere Flip-Flops, haben wir die erste Gelegenheit genützt, um den Hang hinauf zu klettern und auf den Weg zu gelangen. Dazu kam, dass wir Angst hatten, die vielen Krebse schneiden uns mit ihren Zangen die Zehen ab. Leider war es dann auf dem Weg auch nicht besser, da uns unser neuer Freund die ganze Zeit von Schlangen berichtet hat und wir langsam aber sicher nicht mehr sehen konnten, worauf wir gerade traten. Zudem hatten wir langsam aber sicher Durst, nach mehr als 5 Stunden ohne Wasser verständlich. Umso erlöster waren wir, als wir endlich unseren Traumstrand erreichten und auch auf direktem Weg zu unserem Bungalow marschierten, oder sollte ich eher sagen krochen, mit der Zunge soweit aus dem Mund, dass sie eine Spur im Sand hinterliess?
Egal, wir duschten und gingen zum Restaurant des Hotels, wo wir uns entschieden, anstatt von der Karte zu bestellen, das BBQ-Seafood-Buffet unsicher zu machen, schliesslich wollten wir die zwei Tage geniessen und die Fr. 25 pro Person haben uns auch nicht arm gemacht. Es war grandios, eine beeindruckende Auswahl an Essen, unglaublich. Das meiste haben wir probiert, es war so fein, wir konnten nicht aufhören zu essen. Danach sind wir noch kurz in den Pool, es war ca. 23 Uhr, bevor wir zufrieden und hundemüde, nein todmüde ins Bett gefallen sind.
Am nächsten Morgen wollte ich um 6 aufstehen, um mich in eine Hängematte zwischen zwei Palmen am Strand zu werfen und den Sonnenaufgang über dem Meer zu beobachten.



Irgenwann habe ich dann verstanden, dass es bereits zu spät war, die Sonne war schon um ca. 5.20 Uhr aufgetaucht, es half nichts, ich muss an einem anderen Wochenende nochmals nach Phi Phi Island fahren.
Eine Stunde später standen wir bereits wieder vor einem Buffet, das Essen hat sich leicht verändert, die Auswahl und Fülle kaum.
Den Rest des Morgen haben wir im Pool, bzw. mit Schnorcheln im Meer verbracht, bevor wir um 13.00 Uhr mit der Fähre zurück nach Phuket fuhren. Dieses Mal war das Meer nicht mehr so ruhig, es war stürmisch und viele, vor allem kleine Kinder, wurden Seekrank. Das einige ihre vollen Plastiktüten ins Meer warfen hat mich zwar aufgeregt, dagegen machen konnte ich aber nicht viel. Ich habe mir aber überlegt, dass ich mich vielleicht doch noch bei Greenpeace melden sollte, immerhin würde ich nur zu gerne etwas machen, leider ist es jedoch nicht so einfach eine Aufgabe zu finden.
Zurück in Phuket, mein Gesicht und meine Arme waren voller Salz, da die ganze Zeit Meerwassertropfen darauf landeten und verdunsteten, sind wir ins erste Restaurant und haben etwas gegessen, es war 17.00 Uhr und wir hatten langsam wieder Hunger. Danach wollten wir uns auf den Weg zum Flughafen machen, da wir nicht zu spät sein wollten. Aus diesem Grund hatte ich die dumme Idee, wir könnten den öffentlichen Bus nehmen, anstatt ein überteuertes Taxi. Leider konnten uns während ca. einer Stunde niemand helfen, da sie entweder nicht Karten lesen konnten, nicht wussten wie die Strasse hiess an der sie wohnten oder so schlecht englisch sprachen, dass sie nicht einmal mit dem Finger die Richtung zeigen konnten. Irgenwann haben wir dann doch noch jemanden gefunden, der verstand was wir wollten und er hat uns sogar angeboten, uns mit dem Auto hinzufahren. Ich war skeptisch, Steven scheint eher an das Gute im Menschen zu glauben als ich. Wir sind dann doch noch eingestiegen und er hat uns ohne irgend einen Gegenwert hingefahren und einmal mehr wurde mir bestätigt, dass es doch noch Menschen gibt, die freundlich, nett, hilfsbereit und ehrlich sind. Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir den einzigen drei Menschen mit den beschriebenen Charakterzügen in ganz Phuket begegnet sind, dem Motorradfahrer, unserem Freund auf der Insel und dem Autofahrer. Vielleicht gibts noch einen oder zwei, ok aber mehr ganz sicher nicht.
Vom Busterminal ging alles schnell, wir haben unsere 85 Baht (ca. 4 Fr.), sind eine Stunde zum Flughafen gefahren, um dort noch unser am Taxi gespartes Geld auszugeben. Da wir eigentlich keinen Hunger hatten und trotzdem keinen Touristenkram kaufen wollten, sind wir halt in ein Restaurant der Thai Air, wo wir beide zwei verschiedene Menues bestellten, die zwar super schmeckten, wir aber trotz gutem Willen nicht aufessen konnten.

Es war inzwischen 21.00 Uhr und wir machten uns langsam auf den Weg zum Gate. Um 01.00 Uhr waren wir dann bereits wieder in Singapur gelandet, von wo wir das Taxi nach Hause nahmen, Steven alleine und ich mit meinem alten Schweizer Freund, der auch wieder auf dem Nachhauseweg war.
Nachdem ich meine Sachen ausgepackt und Mails gelesen hatte, bin ich dann gegen 3 Uhr endlich ins Bett gekommen, es wartete ein strenger Arbeitstag auf mich, wie hab ich das bloss verdient?

Eine Antwort zu „Das Paradies, ein Abenteuer?“

  1. steven sagt:

    ich kann einfach nur sagen, dass die Reise sehr toll, das Essen sehr Lecker, der Strand wirklich traumhaft und himmlisch, die Leute wirklich sehr sehr nett war (nichts kann man noch als Touristen an etwas beklagen). Ich hoffe, dass ich eines Tages noch mal nach Ko Phi Phi fahren kann und auch laenger bleiben kann, weil nur 1 Tag ist einfach nicht genug fuer mich. Jetzt warten wir noch Bangkok (wenn wir noch Zeit haetten) und auch Bali Yipppppppppppiiiiiiiiiii !!!!!!!

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